Langtang 1999

Langtang und die heiligen Seen von Gosainkunda.

Der Langtang Himal ist nicht so bekannt wie die „Klassiker“ Everest-Trek und die Annapurna Region. Es fehlt die unmittelbare Nähe bekannter 8000er und doch ist das Landschaftserlebnis nicht weniger beeindruckend. Die Panorama-Schau von Laurebina  bietet die ganze Kette der Himalayas von Daulaghiri und Annapurna im Westen bis zum Shisha Pangma (Xixabangma chin.), dem einzigen 8000er auf chinesischem Gebiet, im Osten.  Wer früh aus dem Schlafsack kriecht, kann einen unglaublichen Sonnenaufgang erleben..

Doch der Reihe nach! Die Reise beginnt mit einer abenteuerlichen Busfahrt von Kathmandu nach Dunche. Das ist eine tagesfüllende Beschäftigung und die Busfahrer sind wahre Artisten auf ihren hochbeinigen Gefährten! Über den Kakani Pass verlassen wir das Tal von Kathmandu nach Norden. Die Piste schlängelt sich hinab ins Tal des Trisuli, weiter flussabwärts ein beliebtes Rafting Revier. Auf den Überlandstraßen schafft man noch eine Reisergeschwindigkeit von fast 30 Km pro Stunde, später auf den Pisten werden es dann um die 10 – 15 Km je Stunde mit denen man dem Ziel näher schaukelt. Vor der Höhenkrankheit muß man also erst einmal potentielle Seekrankheit überstehen! Erste Übernachtung und Ausgangspunkt des Trekkings ist Dunche.

Die erste Etappe führt uns über Barkhu in das schmucke Reihendorf Syabru!  Wie an einer Perlenkette aufgereiht überziehen die einzelnen Häuser die Kammhöhe eines Bergrückens. Dort finden wir auch eine bezaubernde Lodge. Wir genießen den Blick auf die Langtang Berge und den Ganesh Himal. Und dann sind da noch die Momos! Die Hausherrin zaubert aus ihrer kleinen, dunklen Küche delikate Teigtaschen, mit einer Gemüse Käsefüllung hervor, eine der vielen Variationen der beliebten Momos! Wir genießen das Essen und die schwächer werdende Abendsonne in einem kleinen Pavillon aus Holz, mit großen Glasfenstern. Ein gelungener Auftakt unseres Trekkings!

 Der weitere Weg führt uns nun steil hinab ins Tal des Langtang-Khola (Khola = Fluss). Dort folgen wir dann dem Flusslauf wieder aufwärts, heute bis Lama-Hotel eine kleine Siedlung mit verschiedenen Lodges auf ca. 2450 m. Hier finden wir sogar eine solarbetrieben Dusche, die uns einigermaßen warmes Wasser spendet! Luxus pur!

Der angrenzende Wald war von Langschwanzaffen bevölkert!  Wasser sollten wir dann im Verlauf der nächsten Tage überreichlich bekommen! Allerdings nicht aus Duschen, sondern vom Himmel und das zunächst als Regen und dann als Schnee. Auf unserer weiteren Strecke nach Langtang und Kyangjin Gompa gerieten wir also in heftige Niederschläge, die dann oberhalb Langtang von Regen in Schnee übergingen. Einziger Lichtblick in Kyangjin Gompa war eine Käserei, in der wir ausgezeichneten Nak-Käse Kaufen konnten. Damit war ein schmackhaftes Abendessen, Pellkartoffeln und Käse gesichert. (Übrigens, Nak ist das weibliche Yak, insofern ruft die häufigere Frage nach Yak-Käse bei der einheimischen Bevölkerung natürlich leichte Heiterkeit hervor!)  

Auch der neue Tag begann mit heftigem Schneetreiben, so dass unser Sirdar, ein erfahrener Sherpa, dringend vom Gipfelsturm auf den Tsergo Ri abriet!  Natürlich wäre ein 5000er Gipfelerlebnis das Sahnehäubchen einer solchen Unternehmung. Aber unser Sirdar wiegte auch noch bedenklich den Kopf als wir ihn um seine Wetterprognose für die nächsten Tage fragten. Aber Achtung, wenn ein Nepali den Kopf leicht schüttelt bedeutet das Zustimmung! Er wollte uns aber keine schnelle Wetterbesserung versprechen!

Schließlich wollten wir auch noch zu den heiligen Seen von Gosainkunda und so mussten wir abwägen ob wir durch Abwarten unsere Chancen auf den Tsergo Ri verbessern könnten und dafür vielleicht den Abstecher zu den heiligen Seen von Gosainkunda „opfern“ sollten! Am nächsten tag entschieden wir uns dann gegen den Gipfel und für den Rückweg nach Lama Hotel das wir schließlich total durchnässt erreichten. Die Regenfälle hatten sich inzwischen zu heftigem Nachmonsun entwickelt und wie wir später, zuhause erfahren sollten führte diese relativ späte Wettereinbruch im herbst 1999 in Indien zu heftigen Überschwemmungen.  

Die Lodge in Lama Hotel glich dann eher einer Waschküche oder Wäscheboden, weil alle Gäste nur das Bedürfnis hatten nasse Klamotten zu trocknen. Irgendwie zwischendrin gab’s dann auch mal Abendessen. Der Langtang Khola war inzwischen zu einem reißenden Gebirgsfluss geworden und unser Sirdar empfahl für den nächsten Tag einen Umweg über die linke Talflanke hinauf um aufgeweichten und grundlosen Pfaden im Talgrund aus dem Weg zu gehen. Die ungeplante Zugabe stellte sich als wunderschöner Bergweg heraus, zum Teil mühsam und abenteuerlich, aus Bruchsteinen an den Hang gebaut. Guten Mutes und tatsächlich trocken erreichten wir wieder Syabru und bezogen unsere schon bekannte Lodge zum zweiten Mal! Am Abend konnten wir dann einer Einweihungszeremonie in der umgebauten Gompa teilnehmen. Mystik und Spiritualität der hielten uns wieder mal gefangen.

 Aufbruch zum zweiten Ziel unseres Trekkings. Heute wollen wir nach Laurebina, 3900 m. Damit haben wir heute 1650 Höhenmeter zu bewältigen. Das wird zu einer schweißtreibenden Angelegenheit, da sich Gott sei dank das Wetter wieder gebessert hat und die Sonne nun wieder unser Begleiter ist. Wir können diesen Aufstieg in einer Etappe auch nur wagen, weil wir bereits in Kyangjin auf 3800 m waren und keine Höhenprobleme hatten, also ausreichend akklimatisiert sind. Bleibt die sportliche Herausforderung!

Der kleine Weiler Laurebina besteht eigentlich nur aus ein paar Lodges entpuppt sich aber als Aussichtskanzel erster Güte!  Die Panorama-Schau bietet die ganze Kette der Himalayas von Daulaghiri und Annapurna im Westen bis zum Shisha Pangma (Xixabangma chin.), dem einzigen 8000er auf chinesischem Gebiet, im Osten.  Wer früh aus dem Schlafsack kriecht, kann einen unglaublichen Sonnenaufgang erleben. Und heute haben wir zuwenig Wasser! Das Waschwasser ist noch eingefroren und so beschränkt sich die morgendliche Toilette auf Zähneputzen mit Wasser aus der Trinkflasche!  Dann machen wir uns auf einen bezaubernden Weg nach Gosainkunda. Auf schmalen Gebirgspfaden, zum Teil noch kräftig verschneit steigen wir zu den etwa 4300 m hohen Seen auf. Schließlich erreichen wir über einen kleinen pass den letzten und größten der heiligen Seen. Im Sommer sind tausende von Pilgern hierher unterwegs um in den heiligen Wassern zu baden und Gott Shiva zu verehren.  

Der Sage nach soll dieser See durch einen unterirdischen Strom  mit einem Tempel in Patan verbunden sein. Hari unser einheimischer Begleiter verzichtet angesichts der Temperaturen auf ein rituelles Bad, muß aber auf jeden Fall seinen lädierten Fuß in den Fluten des Sees baden, das verspricht Heilung.

 In etwa 2 Stunden erreicht man von hier aus den Laurebina-La (La = Pass) und damit den Übergang in die  Helambu Region. Wir machen uns nach einem ausgiebigen Aufenthalt auf den Rückweg nach Laurebina, wo wir auch unser Gepäck gelassen haben. Der Kulinarische Höhepunkt des Abends ist die mitgebrachte Salami von der letztendlich für jeden nur eine Kostprobe bleibt, weil auch unsere Träger und Kinder aus der Lodge neugierig sind und unser Angebot zum Versuchen annehmen!

 Die Nacht wird wieder kalt und gegen 3 Uhr Morgens werden wir von einem Höllenspektakel wach!  Schreien, lautes trampeln, jemand haut mit Stöcken auf Blech! Läuft da jemand übers Dach oder ist es eine ganze Gruppe? Andererseits ist nur Nepali zu verstehen, weder Deutsche noch englische Laute! Was ist los, nachschauen? Mir widerstrebt es den warmen Schlafsack zu verlassen! Als sich das Getöse nach einiger Zeit beruhigt finden wir auch wieder Schlaf. Am nächsten Morgen erfahren wir, dass sich ein Himalayatiger in die Lodge verirrt hatte, der dann mit großem Spektakel vertrieben wurde. Nach Beschreibung der „Jäger“ müssen das Wildkatzen wie etwa Luchse oder ähnliches sein.

 Den Abstieg nach Dunche kann man in einer strammen Tagesetappe schaffen, wir machten noch mal in Sing Gompa Station. Auch dort sorgt noch mal eine Käserei nach Schweizer Vorbild für die leiblichen Genüsse. Wir genießen noch mal die Ausblicke auf die Langtang Region, bevor wir am nächsten Tag Dunche Ziel und Ausgangspunkt unseres Trekkings erreichen. Das Abenteuer Rückfahrt steht der Anfahrt um nichts nach. In den letzten tagen ist ein Bus in einen Wasserkanal gestürzt und ist nun Sightseeing Objekt für Jedermann am Weg. Glücklicherweis kam bei dem Zwischenfall niemand ernsthaft zu Schaden.

 Nach 2 Tagen in Kathmandu zieht es uns noch einige Tage nach Dulikhel, ein kleines verhältnismäßig komfortables Bergressort, Wanderungen auf eigene Faust zum Stupa von Namobuddha und der Hotelmanager macht uns eine Handskizze wie wir durch die Reisfelder nach Panauti wandern können. Zurück für zweimal drei Rupies, das waren damals umgerechnet 7-8 Pfennige mit dem Local Bus.  

Mit dem unvermeidlichen Einkaufbummel in Tahmel klingen wieder mal wunderbare erlebnisreiche Tage aus.